Offsetdruck vs. Digitaldruck
Wann lohnt sich Offset, wann Digitaldruck? Die beiden wichtigsten Verfahren für Papierdrucksachen im Vergleich — mit Faustregeln zu Auflage, Farbe und Kosten.
Weiterlesen →Wie der Offsetdruck im 20. Jahrhundert den Bleisatz verdrängte, Fotosatz und Desktop-Publishing den Satz revolutionierten und Computer-to-Plate, Digitaldruck und Online-Druckereien den Weg zur heutigen Druckproduktion ebneten.
Um 1900 war der Druck industrialisiert, aber noch fest im Blei verankert: Texte wurden in Metall gesetzt und überwiegend im Hochdruck gedruckt. Im Lauf des 20. Jahrhunderts löste sich die Branche Schritt für Schritt vom Blei — zuerst beim Drucken, dann beim Setzen — und schließlich auch vom Film in der Plattenherstellung. Am Ende stand ein durchgängig digitaler Workflow, wie er heute selbstverständlich ist.
Der Offsetdruck baut auf dem Steindruck auf: Er ist ein Flachdruckverfahren, bei dem fetthaltige Farbe und Wasser sich abstoßen. Neu war der Umweg über ein Gummituch. Im Blechdruck war dieses indirekte Prinzip bereits seit dem späten 19. Jahrhundert bekannt; als Erfinder des Offsetdrucks auf Papier gilt der Amerikaner Ira Washington Rubel, der um 1904 eine Beobachtung machte: Gelangte das Druckbild versehentlich auf den gummibezogenen Gegendruckzylinder statt auf das Papier, übertrug es sich beim nächsten Bogen auf dessen Rückseite — und zwar schärfer als der direkte Druck von der Platte. Etwa zur gleichen Zeit arbeitete der deutsche Lithograf Caspar Hermann an Offsetmaschinen und trieb die Technik, auch als Rollenoffset, weiter voran.
Das elastische Gummituch schmiegt sich auch an raue Papiere an und schont die Druckplatte. Da das Bild zweimal gespiegelt wird, ist die Platte seitenrichtig — ein Vorteil bei der Herstellung.
In den ersten Jahrzehnten konkurrierte der Offsetdruck mit dem etablierten Buchdruck und dem Tiefdruck. Vor allem ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts setzte er sich auf breiter Front durch: Mehrfarbige Bogenoffsetmaschinen wurden schneller und präziser, fotografisch hergestellte Druckplatten machten die Bildwiedergabe einfacher als im Hochdruck. Nach und nach wechselten Akzidenzdruckereien, Buchverlage und schließlich auch viele Zeitungen zum Offset. Bis heute ist er das wichtigste Verfahren für Auflagendrucke von Flyern, Broschüren, Büchern und Zeitschriften.
Der Offsetdruck brauchte eigentlich kein Blei — für die Druckplatte genügte eine Filmvorlage. Folgerichtig entstanden ab der Mitte des 20. Jahrhunderts Fotosatzmaschinen, die Buchstaben nicht mehr gossen, sondern fotografisch auf Film oder Fotopapier belichteten. Spätere Generationen arbeiteten mit Kathodenstrahlröhren und schließlich mit Lasern und wurden von Computern gesteuert. In den 1970er und 1980er Jahren verdrängte der Fotosatz den Bleisatz weitgehend. Der Beruf des Schriftsetzers veränderte sich grundlegend.
Mitte der 1980er Jahre kamen mehrere Entwicklungen zusammen, die den Satz aus der Fachwerkstatt auf den Schreibtisch holten:
Für diese Arbeitsweise setzte sich der Begriff Desktop-Publishing (DTP) durch. Innerhalb weniger Jahre wurde die digitale Seitengestaltung zum Standard in Agenturen und Verlagen. Mit dem PDF-Format, das Adobe Anfang der 1990er Jahre einführte, entstand zudem ein Dateiformat, das Layouts zuverlässig an Druckereien übergeben konnte — bis heute der Standard für Druckdaten.
Auch nach DTP wurden die Seiten zunächst noch auf Film belichtet, der dann auf die Druckplatte kopiert wurde. In den 1990er Jahren setzte sich Computer-to-Plate (CtP) durch: Ein Plattenbelichter bebildert die Druckplatte direkt aus den digitalen Daten. Das spart Material und Arbeitsschritte und verbessert die Wiedergabe feiner Rasterpunkte. Heute ist CtP in Offsetdruckereien der Normalfall.
Ebenfalls in den 1990er Jahren kamen digitale Farbdrucksysteme für den professionellen Einsatz auf den Markt. Sie drucken ohne feste Druckform direkt aus den Daten, sodass sich kleine Auflagen und sogar jedes einzelne Exemplar individuell herstellen lassen. Tonerbasierte Systeme und später leistungsfähige Inkjet-Maschinen machten den Digitaldruck zu einer festen Größe neben dem Offset.
In den 2000er Jahren verband Web-to-Print den digitalen Workflow mit dem Internet: Kundinnen und Kunden laden druckfertige PDFs hoch oder gestalten im Browser, bestellen online und erhalten die Ware per Versand. Online-Druckereien bündeln dabei häufig viele Aufträge auf einem gemeinsamen Druckbogen (Sammelform), was kleine Auflagen im Offsetdruck günstiger macht.
| Zeit | Entwicklung |
|---|---|
| um 1904 | Offsetdruck (Ira W. Rubel, Caspar Hermann) |
| Mitte 20. Jh. | Erste Fotosatzsysteme |
| 1970er/80er | Fotosatz verdrängt den Bleisatz |
| Mitte 1980er | Desktop-Publishing: Macintosh, PostScript, Laserdrucker, Layoutsoftware |
| 1990er | PDF, Computer-to-Plate, Digitaldruck im Produktionsmaßstab |
| 2000er | Web-to-Print und Online-Druckereien |