Geschichte

Druck vor Gutenberg: Siegel, Holztafeln und frühe Lettern

Lange vor Gutenberg wurde in China und Korea gedruckt — mit Holztafeln und sogar mit beweglichen Lettern. Ein Überblick über die Vorgeschichte des Buchdrucks bis zu den europäischen Blockbüchern.

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Johannes Gutenberg gilt in Europa als Erfinder des Buchdrucks. Das Drucken selbst hat er jedoch nicht erfunden: Die Idee, ein Motiv von einer erhabenen oder vertieften Form wiederholt zu übertragen, ist Jahrtausende alt. Und in Ostasien wurden Bücher bereits Jahrhunderte vor Gutenberg gedruckt — zuerst mit Holztafeln, später auch mit beweglichen Lettern.

Siegel, Stempel und Abreibungen

Zu den ältesten Vorläufern gehören Siegel. In Mesopotamien rollte man seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. Rollsiegel über feuchten Ton, um Besitz oder Urheberschaft zu kennzeichnen. Auch in China waren Siegel aus Stein, Metall oder Jade seit dem Altertum verbreitet; sie wurden zunächst in Ton, später mit Farbe auf Seide oder Papier gedrückt. Stoffe wurden in vielen Kulturen mit geschnitzten Modeln bedruckt.

Eine weitere Technik war die Abreibung: Man legte feuchtes Papier auf eine in Stein gehauene Inschrift, drückte es in die Vertiefungen und tupfte dann Tusche auf. Die Schrift erschien hell auf dunklem Grund. So ließen sich in China klassische Texte, die in Steintafeln verewigt waren, verbreiten.

Holztafeldruck in Ostasien

Aus Siegel und Abreibung entwickelte sich in China der Holztafeldruck. Dabei wurde eine ganze Seite Text samt Bildern spiegelverkehrt in eine Holzplatte geschnitten, mit wasserbasierter Tusche eingefärbt und das aufgelegte Papier mit einer Bürste abgerieben — eine Presse war dafür nicht nötig. Die Technik ist spätestens für das 8. Jahrhundert belegt, die genauen Anfänge sind unsicher. Frühe gedruckte Texte aus dieser Zeit sind auch aus Korea und Japan erhalten, ihre Datierung ist teils umstritten.

Das älteste erhaltene gedruckte Buch mit einem genauen Datum ist eine Rolle der Diamant-Sutra aus dem Jahr 868. Sie wurde Anfang des 20. Jahrhunderts in einer Höhle bei Dunhuang im Nordwesten Chinas gefunden und befindet sich heute in der British Library in London. Die Qualität des Holzschnitts zeigt, dass die Technik zu diesem Zeitpunkt bereits ausgereift war. In den folgenden Jahrhunderten wurden in China umfangreiche Werke im Holztafeldruck hergestellt, darunter buddhistische Schriften, konfuzianische Klassiker und Kalender.

Der Weg des Papiers nach Europa

Voraussetzung für den Druck in großem Stil war Papier. Es stammt aus China; die Überlieferung schreibt seine Verbesserung dem Beamten Cai Lun um 105 n. Chr. zu, archäologische Funde sind jedoch älter. Über Zentralasien gelangte die Papierherstellung im 8. Jahrhundert in die islamische Welt, wo Samarkand und Bagdad wichtige Zentren wurden. Über Nordafrika erreichte sie Spanien, wo im 11. und 12. Jahrhundert Papier hergestellt wurde, und im 13. Jahrhundert Italien. Als erste Papiermühle im deutschsprachigen Raum gilt die Mühle, die Ulman Stromer 1390 bei Nürnberg einrichtete. Als Gutenberg druckte, war Papier in Europa also verfügbar — und deutlich günstiger als Pergament.

Bewegliche Lettern in China und Korea

Auch die Idee der beweglichen Lettern ist in Ostasien älter als in Europa. Der Gelehrte Shen Kuo beschrieb im 11. Jahrhundert, dass ein Handwerker namens Bi Sheng einzelne Schriftzeichen aus Ton formte, brannte und für den Druck in einem Rahmen zusammensetzte. Später wurden in China auch Lettern aus Holz eingesetzt, etwa von Wang Zhen um 1300, der drehbare Setztische beschrieb.

In Korea wurden im 13. Jahrhundert Bücher mit gegossenen Metalllettern gedruckt, von denen jedoch keines erhalten ist. Das älteste erhaltene Buch dieser Art ist das „Jikji“, eine Sammlung buddhistischer Lehren, gedruckt 1377 im Tempel Heungdeok bei Cheongju. Erhalten ist nur der zweite Band; er wird heute in der Bibliothèque nationale de France in Paris aufbewahrt.

Holzschnitt und Blockbücher in Europa

In Europa wurden Stoffe schon länger mit Holzmodeln bedruckt. Auf Papier setzte sich der Holzschnitt um 1400 durch. Es entstanden Einblattdrucke mit Heiligenbildern, oft nachträglich von Hand koloriert, sowie Spielkarten. Einer der ältesten datierten Holzschnitte ist der „Buxheimer Christophorus“ mit der Jahreszahl 1423.

Eine Sonderform sind die Blockbücher: Bild und Text einer Seite wurden gemeinsam in einen Holzstock geschnitten. Bekannte Beispiele sind die „Biblia pauperum“ (Armenbibel) und die „Ars moriendi“ (Kunst des Sterbens). Lange galten Blockbücher als direkte Vorläufer des Buchdrucks. Die Forschung datiert die meisten erhaltenen Exemplare inzwischen jedoch in die Zeit nach 1450 — sie entstanden also überwiegend parallel zum Druck mit beweglichen Lettern, nicht vorher.

Hat Gutenberg von Asien gelernt?

Ein direkter Wissenstransfer vom ostasiatischen Letterndruck zu Gutenberg ist nicht belegt. Die meisten Historiker gehen davon aus, dass er seine Technik unabhängig entwickelt hat. Was Gutenbergs Verfahren trotzdem auszeichnete, beschreibt der Artikel über Gutenberg und den Buchdruck.


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