Tiefdruck erklärt: Rakeltiefdruck, Näpfchen und Tampondruck
Beim Tiefdruck sitzt die Farbe in winzigen Vertiefungen eines Zylinders. Wie das Verfahren funktioniert, wofür es heute genutzt wird und was der Tampondruck damit zu tun hat.
Weiterlesen →Vom Kupferstich des 15. Jahrhunderts über Radierung, Aquatinta und Mezzotinto bis zum Stahlstich auf Banknoten und Briefmarken: wie der Tiefdruck entstand und was davon bis heute geblieben ist.
Etwa zur selben Zeit, als Johannes Gutenberg in Mainz den Buchdruck mit beweglichen Lettern entwickelte, entstand eine zweite, grundlegend andere Drucktechnik: der Tiefdruck. Anders als beim Hochdruck liegen hier die druckenden Stellen nicht erhaben, sondern vertieft in einer Metallplatte. Kupferstich und Radierung prägten über Jahrhunderte die Bildproduktion in Europa und leben bis heute in der Kunst und im Sicherheitsdruck fort.
Beim Tiefdruck werden Linien und Flächen in eine Platte, meist aus Kupfer, eingearbeitet. Zum Drucken reibt man Farbe in die Vertiefungen und wischt die glatte Oberfläche wieder sauber. Anschließend wird angefeuchtetes Papier mit hohem Druck in einer Walzenpresse auf die Platte gepresst und saugt die Farbe aus den Rillen. Typisch für Tiefdrucke sind der eingeprägte Plattenrand und der leicht erhabene, fühlbare Farbauftrag.
Der Kupferstich entstand um die Mitte des 15. Jahrhunderts, vermutlich im süddeutschen und oberrheinischen Raum, und hat seine Wurzeln im Handwerk der Goldschmiede, die Metall seit langem mit Gravuren verzierten. Mit dem Grabstichel, einem kantigen Stahlwerkzeug, schneidet der Stecher feine Furchen in die Kupferplatte. Die Linienstärke lässt sich über Druck und Winkel steuern; Schattierungen entstehen durch dichte Parallel- und Kreuzschraffuren.
Frühe Meister wie der sogenannte Meister E. S. und Martin Schongauer machten den Kupferstich zu einer eigenständigen Kunstform. Ihren Höhepunkt erreichte die Technik in Deutschland mit Albrecht Dürer (1471–1528). Seine drei „Meisterstiche“ — „Ritter, Tod und Teufel“ (1513), „Der heilige Hieronymus im Gehäus“ und „Melencolia I“ (beide 1514) — gelten bis heute als Höhepunkte der Druckgrafik. Kupferstiche erlaubten feinere Linien als Holzschnitte und eigneten sich besonders für detailreiche Darstellungen, später auch für Landkarten, Porträts und Buchillustrationen.
Anfang des 16. Jahrhunderts kam die Radierung hinzu. Ihre Ursprünge liegen in der Verzierung von Waffen und Rüstungen; als einer der ersten, der geätzte Eisenplatten zum Drucken nutzte, gilt der Augsburger Daniel Hopfer. Auch Dürer experimentierte mit Radierungen auf Eisen.
Bei der Radierung wird die Platte mit einem säurefesten Ätzgrund überzogen. Der Künstler zeichnet mit einer Nadel in diesen Grund und legt dabei das Metall frei. Im Säurebad werden nur die freigelegten Linien in die Platte geätzt. Weil die Nadel so leicht geführt werden kann wie ein Stift, wirken Radierungen oft lockerer und zeichnerischer als Kupferstiche. Durch mehrfaches Ätzen mit Abdecken einzelner Partien lassen sich unterschiedlich tiefe und damit unterschiedlich dunkle Linien erzeugen.
Ein berühmter Meister der Radierung war Rembrandt van Rijn (1606–1669). Er kombinierte die Radierung häufig mit der Kaltnadel, bei der die Linien direkt ohne Säure in die Platte geritzt werden. Der dabei aufgeworfene Metallgrat hält zusätzlich Farbe und erzeugt samtige Linien, nutzt sich aber schon nach relativ wenigen Abzügen ab.
Kupferstich und Radierung arbeiten mit Linien. Um auch Tonflächen und weiche Übergänge wiederzugeben, entstanden weitere Verfahren:
| Technik | Werkzeug / Verfahren | Charakter |
|---|---|---|
| Kupferstich | Grabstichel, mechanisch | präzise, an- und abschwellende Linien |
| Radierung | Radiernadel und Säure | freie, zeichnerische Linien |
| Kaltnadel | Nadel direkt ins Metall | samtige Linien, kleine Auflage |
| Mezzotinto | Wiegeeisen, Schaber | weiche Übergänge aus dem Dunkel |
| Aquatinta | Harzkorn und Säure | körnige Tonflächen |
Kupfer ist weich, die Platten nutzen sich beim Drucken ab. Im frühen 19. Jahrhundert setzte sich deshalb, ausgehend von England, der Stahlstich durch: Gestochen wurde in Stahlplatten, die deutlich verschleißfester sind als Kupfer. Damit waren deutlich höhere Auflagen bei gleichbleibend feinen Linien möglich. Stahlstiche illustrierten im 19. Jahrhundert zahlreiche Bücher, Reiseansichten und Zeitschriften. Später erreichte man einen ähnlichen Effekt, indem man Kupferplatten galvanisch mit einer harten Stahl- oder Chromschicht überzog.
Die feinen, schwer nachzuahmenden Linien machten den Stichtiefdruck früh zum Verfahren für Wertpapiere, Banknoten und Briefmarken. Die erste Briefmarke der Welt, die britische „One Penny Black“ von 1840, wurde im Stichtiefdruck hergestellt. Bis heute wird das Verfahren im Banknotendruck eingesetzt — auch bei den Euro-Banknoten: Das fühlbare Relief etwa bei Schrift und Wertzahl entsteht durch Stichtiefdruck und dient als Sicherheitsmerkmal.
Mit der Fotografie wurde es möglich, Bilder fotomechanisch auf Druckplatten zu übertragen. Im späten 19. Jahrhundert entwickelte Karl Klíč die Heliogravüre und legte die Grundlagen für den Rakeltiefdruck. Dabei wird das Bild in Form winziger Näpfchen in einen Druckzylinder eingebracht; ein Stahllineal, die Rakel, streift die überschüssige Farbe ab. Heute werden die Zylinder elektromechanisch oder per Laser graviert. Der industrielle Tiefdruck eignet sich vor allem für sehr hohe Auflagen, etwa bei Verpackungen oder großen Katalogen — das Grundprinzip der Farbe in der Vertiefung ist aber dasselbe wie beim Kupferstich vor über 500 Jahren.