Verfahren

Digitaldruck-Verfahren: Toner, Inkjet und Großformat

Digitaldruck ist nicht gleich Digitaldruck: Toner und Tinte funktionieren grundverschieden. Ein Überblick über die Technik — vom Flyer bis zum Banner und zum personalisierten Mailing.

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Allen Digitaldruckverfahren ist gemeinsam, dass sie ohne feste Druckform auskommen: Das Druckbild wird für jeden Bogen neu aus den Daten erzeugt. Dahinter stecken aber zwei grundverschiedene Techniken — Toner und Tinte. Wie sich Digitaldruck im Vergleich zum Offset schlägt, erklärt unser Beitrag Offsetdruck vs. Digitaldruck. Hier geht es um die Verfahren selbst.

Tonerdruck: das elektrofotografische Verfahren

Das Prinzip kennen viele vom Laserdrucker im Büro. Produktionsmaschinen in Druckereien arbeiten nach demselben Grundgedanken, nur schneller, präziser und für größere Formate:

  1. Eine lichtempfindliche Trommel, der Fotoleiter, wird elektrisch aufgeladen.
  2. Ein Laser oder eine LED-Zeile belichtet die Trommel entsprechend dem Druckbild. An den belichteten Stellen ändert sich die Ladung.
  3. Feine Tonerpartikel werden von diesen Stellen angezogen und bilden das Druckbild.
  4. Der Toner wird auf das Papier übertragen, häufig über ein Transferband.
  5. In der Fixiereinheit wird er mit Hitze und Druck auf dem Papier verschmolzen.

Tonerdruck ist robust, schnell und auf vielen Papieren einsetzbar. Die Farbe liegt als dünne Schicht auf der Papieroberfläche und hat oft einen leichten Glanz. Neben CMYK bieten manche Maschinen zusätzliche Farbwerke, etwa für Weiß, Metallic-Töne oder Klarlack.

Sonderfall Flüssigtoner

Eine Variante arbeitet mit Flüssigtoner, bei dem sehr feine Farbpartikel in einer Trägerflüssigkeit verteilt sind. Das bekannteste Beispiel ist das Indigo-Verfahren von HP. Flüssigtoner bildet sehr dünne Schichten und kommt in der Optik dem Offsetdruck besonders nahe. Er wird unter anderem für hochwertige Kleinauflagen, Fotobücher und Etiketten genutzt.

Inkjet: Tinte in winzigen Tropfen

Beim Tintenstrahldruck spritzen Druckköpfe mikroskopisch kleine Tropfen direkt auf den Bedruckstoff. Die meisten Systeme arbeiten nach dem Drop-on-Demand-Prinzip: Ein Tropfen wird nur dann abgegeben, wenn er gebraucht wird, ausgelöst durch ein Piezoelement oder durch Hitze. Daneben gibt es das Continuous-Inkjet-Verfahren mit einem ständigen Tropfenstrom, das vor allem zum Codieren genutzt wird, etwa für Haltbarkeitsdaten auf Verpackungen.

Im professionellen Druck hat Inkjet stark an Bedeutung gewonnen. Rolleninkjetmaschinen drucken Bücher in Kleinauflage, Mailings und Geschäftspost; Bogeninkjetmaschinen erreichen eine Qualität, die für viele Akzidenzen genügt. Für Textilien gibt es spezialisierte Verfahren wie DTG und DTF, die im Beitrag zu den Textildruck-Verfahren beschrieben sind.

Großformat-Inkjet: Banner, Plakate, Schilder

Für Banner, Poster, Messewände, Fahrzeugfolien und Schilder kommen Großformatdrucker zum Einsatz, die von der Rolle oder auf starren Platten drucken. Die Tintensysteme unterscheiden sich deutlich:

TinteWie sie trocknetTypischer Einsatz
UV-härtendhärtet unter UV-Licht sofort ausstarre Platten wie Kunststoff, Holz, Aluminiumverbund, Glas; auch Rollenware
Latexwasserbasiert, wird mit Wärme fixiertPoster, Tapeten, Innenraumgrafik, Banner; vergleichsweise geruchsarm
Solvent / Eco-Solventlösemittelhaltig, dringt in die Oberfläche einPVC-Banner, Folien, Außenwerbung mit hoher Witterungsbeständigkeit

Welche Technik für Ihr Banner verwendet wird, entscheidet in der Regel die Druckerei anhand von Material und Einsatzort. Wichtiger ist für Sie die Wahl des passenden Materials — dazu mehr im Beitrag über Banner-Materialien.

Personalisierung und variable Daten

Da es keine Druckform gibt, darf jedes Exemplar anders aussehen. Das nennt man variablen Datendruck. Typische Anwendungen sind:

  • Mailings mit persönlicher Anrede, individuellen Angeboten oder Gutscheincodes
  • fortlaufend nummerierte Eintrittskarten, Lose oder Gutscheine
  • Namensschilder, Tischkarten und Einladungen mit individuellen Namen
  • Visitenkarten für ein ganzes Team in einem Auftrag
  • Bücher und Abschlussarbeiten, die erst bei Bestellung gedruckt werden (Print on Demand)

Die Daten kommen meist aus einer Tabelle, die mit einer Vorlage zusammengeführt wird. Wie die Daten angeliefert werden müssen, gibt die Druckerei vor.

Wann Digitaldruck passt

  • Kleine und mittlere Auflagen, bis hin zum Einzelstück
  • Kurze Lieferzeiten, weil keine Druckform hergestellt werden muss
  • Personalisierte oder versionierte Drucksachen
  • Testauflagen und Prototypen vor einer größeren Produktion
  • Abschlussarbeiten, Fotobücher, Kalender und Plakate in geringer Stückzahl
  • Großformatige Motive wie Banner und Poster
Ist Inkjet oder Toner besser?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Beide Techniken liefern im professionellen Bereich hohe Qualität. Entscheidend sind Material, Format und Einsatzzweck — die Druckerei wählt in der Regel die passende Maschine.
Wie beständig sind Digitaldrucke?
Das hängt von Tinte bzw. Toner, Material und Einsatzort ab. Für den Außenbereich werden spezielle Tinten und Materialien verwendet, oft ergänzt durch Laminat oder Lack.