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Hardcover- und Softcover-Bücher — von der Selbstpublikation bis zum Bildband in Kleinauflage.
Mehr →Von Mainz nach ganz Europa in wenigen Jahrzehnten: wie sich der Buchdruck verbreitete, was Inkunabeln sind, welche Rolle Venedig, die Reformation und die ersten Zeitungen spielten.
Gutenbergs Verfahren blieb nicht lange ein Mainzer Geheimnis. Innerhalb von rund fünfzig Jahren entstanden Druckwerkstätten in weiten Teilen Europas. Mit ihnen veränderten sich die Verbreitung von Wissen, die Religion, die Politik und nicht zuletzt die Sprache.
Zunächst verbreitete sich der Buchdruck im Rheinland und in Süddeutschland. Frühe Druckorte waren unter anderem Bamberg, Straßburg und Köln. Einen Schub gab die Mainzer Stiftsfehde: Nach der Eroberung von Mainz 1462 verließen Druckergesellen die Stadt und nahmen ihr Wissen mit. Deutsche Drucker brachten die Technik anschließend in andere Länder:
Drucke, die bis einschließlich 1500 entstanden, heißen Inkunabeln oder Wiegendrucke — nach lateinisch „incunabula“, Windeln oder Wiege. Die Grenze ist eine Konvention der Bibliothekswissenschaft, kein technischer Einschnitt. Bekannt sind heute mehrere zehntausend Ausgaben aus dieser Zeit. Frühe Inkunabeln orientierten sich stark an Handschriften: Es gab meist kein Titelblatt, Initialen wurden von Hand eingemalt, und Angaben zu Drucker und Datum standen, wenn überhaupt, am Ende im Kolophon. Titelblatt, Seitenzählung und Inhaltsverzeichnis setzten sich erst allmählich durch.
Gegen Ende des 15. Jahrhunderts war Venedig das bedeutendste Druckzentrum Europas. Die Handelsstadt bot Kapital, Papier, Vertriebswege und ein gebildetes Publikum. Besonders einflussreich war der Humanist und Verleger Aldus Manutius, der in den 1490er-Jahren seine Offizin gründete. Er veröffentlichte zahlreiche Erstausgaben griechischer Klassiker.
Zwei Neuerungen sind mit seinem Namen verbunden: die Kursive, eine schräge, platzsparende Schrift, die sein Stempelschneider Francesco Griffo schnitt und die erstmals 1501 in einer Vergil-Ausgabe verwendet wurde, und die Verbreitung des handlichen Oktavformats für Klassikerausgaben. Diese kleinen Bücher waren günstiger und tragbar — ein Vorläufer des heutigen Taschenbuchs. Auch die Antiqua-Schriften aus Venedig prägen die Typografie bis heute.
Die Reformation gilt als erstes großes Ereignis, das maßgeblich durch den Druck getragen wurde. Nach Martin Luthers Thesen von 1517 erschienen in kurzer Zeit zahlreiche Flugschriften: kurze, günstige Drucke von wenigen Blättern, oft auf Deutsch und mit Holzschnitten illustriert. Luther selbst war einer der meistgedruckten Autoren seiner Zeit. Seine Übersetzung des Neuen Testaments erschien 1522, die vollständige Bibel 1534. Auch die Gegner der Reformation nutzten den Druck für ihre Schriften.
Neben Büchern und Flugschriften entstanden neue Formate. Nachrichten wurden zunächst in einzelnen „Neuen Zeitungen“ verbreitet, die nur unregelmäßig erschienen. Als erste Zeitung im heutigen Sinne mit regelmäßigem Erscheinen gilt die „Relation“, die der Buchhändler und Drucker Johann Carolus ab 1605 in Straßburg herausgab. Kurz darauf folgte 1609 der „Aviso“ in Wolfenbüttel. Als erste Tageszeitung gilt ein Blatt, das ab 1650 in Leipzig erschien.
Weltliche und kirchliche Obrigkeiten erkannten früh, dass sich gedruckte Texte schwer kontrollieren ließen. Schon in den 1480er Jahren erließ etwa der Mainzer Erzbischof Vorschriften zur Vorzensur. Die katholische Kirche veröffentlichte 1559 erstmals einen päpstlichen Index verbotener Bücher. Auch protestantische Territorien und Städte kontrollierten Druckereien. Viele Drucke erschienen daher anonym, mit falschem Druckort oder im Ausland.