Vom Siegel über Gutenbergs Lettern bis zum Digitaldruck: ein kompakter Überblick über die wichtigsten Stationen der Druckgeschichte mit Zeitleiste.
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Drucken bedeutet im Kern, ein Bild oder einen Text von einer Vorlage mehrfach auf einen Bedruckstoff zu übertragen. Diese Idee ist sehr alt — Siegel und Stempel gab es lange vor dem ersten gedruckten Buch. Was sich über die Jahrhunderte verändert hat, sind Material, Geschwindigkeit und die Frage, wie eine Druckform entsteht. Dieser Überblick ordnet die wichtigsten Stationen ein und verweist auf die vertiefenden Artikel unserer Reihe.
Die Anfänge in Ostasien
Die frühesten gedruckten Texte stammen aus Ostasien. In China wurden spätestens im 8. Jahrhundert, vermutlich schon früher, ganze Seiten in Holztafeln geschnitten und abgezogen. Das älteste erhaltene datierte gedruckte Buch ist ein Exemplar der Diamant-Sutra aus dem Jahr 868. Im 11. Jahrhundert beschrieb der Gelehrte Shen Kuo bewegliche Lettern aus gebranntem Ton, die auf Bi Sheng zurückgehen. In Korea entstand 1377 das „Jikji“, das älteste erhaltene Buch, das mit beweglichen Metalllettern gedruckt wurde. Mehr dazu im Artikel über den Druck vor Gutenberg.
Gutenberg und die Folgen
In Mainz entwickelte Johannes Gutenberg um 1450 ein Gesamtsystem aus gegossenen Metalllettern, Druckpresse und ölhaltiger Farbe. Mit der 42-zeiligen Bibel, fertiggestellt um 1454/55, zeigte er, dass sich Bücher in hoher Qualität und in Auflage herstellen ließen. Innerhalb weniger Jahrzehnte verbreitete sich der Buchdruck über ganz Europa und veränderte Wissenschaft, Religion und Sprache.
Zeitleiste
Viele frühe Daten sind in der Forschung nur näherungsweise gesichert. Wo das der Fall ist, steht „um“ oder ein Zeitraum.
Zeit
Station
Bedeutung
Altertum
Siegel und Stempel
Rollsiegel in Mesopotamien, Siegel in China: Motive werden wiederholt in Ton, später auf Seide und Papier übertragen.
spätestens 8. Jh.
Holztafeldruck in China
Ganze Seiten werden spiegelverkehrt in Holz geschnitten und von Hand abgerieben.
868
Diamant-Sutra
Ältestes erhaltenes datiertes gedrucktes Buch, gefunden in den Höhlen von Dunhuang.
11. Jh.
Bewegliche Lettern (Bi Sheng)
Einzeltypen aus gebranntem Ton, überliefert durch Shen Kuo.
1377
„Jikji“ in Korea
Ältestes erhaltenes Buch, gedruckt mit beweglichen Metalllettern.
um 1450
Gutenberg in Mainz
Handgießinstrument, Letternlegierung, Presse und Ölfarbe als System; 42-zeilige Bibel um 1454/55.
15. Jh.
Kupferstich
Tiefdruck von gravierten Metallplatten, zunächst für Bilder, später auch für Karten und Noten.
1796/98
Lithografie (Alois Senefelder)
Flachdruck vom Stein auf Basis der Abstoßung von Fett und Wasser.
1810er
Schnellpresse (Friedrich Koenig)
Dampfbetriebene Zylinderpresse; 1814 erstmals für die Londoner „Times“ eingesetzt.
Mitte 19. Jh.
Rotationsdruck
Rund gebogene Druckformen und später Papier von der Rolle ermöglichen hohe Auflagen für Zeitungen.
1880er
Autotypie / Rasterdruck
Fotografien werden in Rasterpunkte zerlegt und damit im Buchdruck druckbar.
1886
Linotype (Ottmar Mergenthaler)
Setzmaschine, die ganze Zeilen in Blei gießt; der Handsatz wird bei Zeitungen weitgehend abgelöst.
Anfang 20. Jh.
Offsetdruck
Indirekter Flachdruck über ein Gummituch; wird im Laufe des Jahrhunderts zum wichtigsten Druckverfahren.
ab Mitte 20. Jh.
Fotosatz
Schrift wird fotografisch belichtet statt in Metall gegossen; bis in die 1980er Jahre wird der Bleisatz weitgehend verdrängt.
Mitte 1980er
Desktop-Publishing
Layoutsoftware, PostScript und Laserdrucker bringen den Satz an den Schreibtisch.
1990er
Computer-to-Plate
Druckplatten werden direkt aus den Daten belichtet, ohne Film als Zwischenschritt.
1990er
Digitaldruck
Drucken ohne feste Druckform; wirtschaftlich für kleine Auflagen und personalisierte Drucksachen.
Die großen Entwicklungslinien
Betrachtet man die Zeitleiste als Ganzes, lassen sich einige Muster erkennen, die bis heute prägen, wie gedruckt wird:
Von der Hand zur Maschine: Bis ins frühe 19. Jahrhundert wurde mit Muskelkraft gedruckt. Schnellpresse und Rotationsdruck machten den Druck zur Industrie — mehr dazu im Artikel über die Industrialisierung des Drucks.
Vom Hochdruck zum Flachdruck: Gutenbergs Verfahren war ein Hochdruck. Mit der Lithografie kam der Flachdruck hinzu, aus dem sich der Offsetdruck entwickelte.
Vom Material zu Daten: Aus Bleilettern wurden Fotosatz, dann digitale Dateien. Heute entsteht die Druckform direkt aus einer PDF-Datei — oder beim Digitaldruck gar keine feste Druckform mehr.
Vom Text zum Bild: Kupferstich, Lithografie und Autotypie machten Illustrationen und schließlich Fotografien in großer Zahl druckbar.
Was davon heute noch sichtbar ist
Viele Begriffe der Druckvorstufe stammen aus der Bleisatzzeit, etwa Durchschuss oder Schriftgrad. Auch die englischen Bezeichnungen „upper case“ und „lower case“ für Groß- und Kleinbuchstaben gehen auf den oberen und unteren Setzkasten zurück. Der klassische Buchdruck lebt zudem als Letterpress bei Visitenkarten und Einladungen fort. Und der Offsetdruck, entstanden Anfang des 20. Jahrhunderts, ist bei mittleren und hohen Auflagen weiterhin das Standardverfahren — ergänzt durch den Digitaldruck bei kleinen Mengen.