Verfahren

Tiefdruck erklärt: Rakeltiefdruck, Näpfchen und Tampondruck

Beim Tiefdruck sitzt die Farbe in winzigen Vertiefungen eines Zylinders. Wie das Verfahren funktioniert, wofür es heute genutzt wird und was der Tampondruck damit zu tun hat.

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Tiefdruck ist das Gegenstück zum Hochdruck: Die druckenden Stellen liegen nicht erhaben, sondern vertieft in der Druckform. Als Kupferstich und Radierung hat das Prinzip eine lange künstlerische Tradition. Industriell spielt heute vor allem der Rakeltiefdruck eine Rolle — ein Verfahren für sehr hohe Auflagen, das Privatkunden meist nur indirekt begegnet, etwa auf Verpackungen.

Das Prinzip

Die gesamte Druckform wird mit Farbe überflutet. Anschließend streift eine Rakel — eine dünne, meist stählerne Klinge — die überschüssige Farbe von der Oberfläche ab. Farbe bleibt nur in den Vertiefungen zurück. Unter Druck wird der Bedruckstoff gegen die Form gepresst und nimmt die Farbe aus den Vertiefungen auf.

Rakeltiefdruck: Zylinder und Näpfchen

Im Rakeltiefdruck ist die Druckform ein massiver Zylinder, typischerweise ein Stahlkern mit einer galvanisch aufgebrachten Kupferschicht. In dieses Kupfer werden winzige Vertiefungen eingebracht, die sogenannten Näpfchen. Nach der Bebilderung wird der Zylinder in der Regel verchromt, damit er der Rakel über lange Auflagen standhält.

Die Näpfchen werden heute überwiegend elektromechanisch mit einem Diamantstichel graviert oder per Laser erzeugt; früher war das Ätzen üblich. Je nach Tonwert unterscheiden sich die Näpfchen in Größe und Tiefe. Ein tiefes Näpfchen hält mehr Farbe und druckt dunkler, ein flaches weniger. Dadurch kann der Tiefdruck die Farbmenge pro Bildpunkt variieren, was besonders weiche Bildverläufe ermöglicht.

Die Farbe ist dünnflüssig und trocknet schnell, damit bei hohen Maschinengeschwindigkeiten sauber gedruckt werden kann. Gedruckt wird von der Rolle, bei Papier ebenso wie bei Folien.

Typische Einsatzgebiete

Die Herstellung eines Tiefdruckzylinders ist aufwendig und teuer. Dafür ist der Zylinder sehr langlebig und liefert über Millionen von Umdrehungen eine gleichbleibende Qualität. Das Verfahren lohnt sich deshalb vor allem bei sehr hohen Auflagen oder bei Motiven, die immer wieder nachgedruckt werden.

  • Verpackungstiefdruck: flexible Verpackungen aus Folie, etwa für Süßwaren, Kaffee oder Tiefkühlkost, sowie Etiketten und Banderolen
  • Illustrationstiefdruck: auflagenstarke Zeitschriften, Werbebeilagen und Kataloge. Früher wurden etwa die großen Versandhauskataloge häufig im Tiefdruck produziert; mit sinkenden Auflagen hat dieses Segment stark an Bedeutung verloren.
  • Dekordruck: Holz- und Steindekore für Möbel- und Fußbodenoberflächen, Tapeten
  • Sicherheitsdruck: Banknoten und Wertpapiere nutzen den Stichtiefdruck, der ein fühlbares Relief erzeugt

Vor- und Nachteile

VorteileNachteile
Sehr gleichmäßige, satte Farbwiedergabe und weiche VerläufeHohe Kosten und lange Vorlaufzeit für die Zylinderherstellung
Hohe Druckgeschwindigkeit bei RollendruckNur bei sehr hohen Auflagen oder Wiederholaufträgen wirtschaftlich
Langlebige Druckform, gleichbleibende Qualität über die gesamte AuflageSchrift und feine Linien werden gerastert (Sägezahneffekt)
Gut geeignet für Folien und andere nicht saugende MaterialienÄnderungen am Motiv erfordern einen neuen Zylinder

Im Verpackungsbereich konkurriert der Tiefdruck vor allem mit dem Flexodruck, dessen Druckformen deutlich günstiger sind und dessen Qualität in den vergangenen Jahrzehnten stark zugelegt hat. Bei Zeitschriften und Katalogen hat der Rollenoffset viele Aufträge übernommen.

Verwandt: der Tampondruck

Der Tampondruck ist ein indirektes Tiefdruckverfahren und wird vielen Kundinnen und Kunden eher begegnen als der Rakeltiefdruck — nämlich auf Werbeartikeln. Die Druckform ist eine flache Platte, das Klischee, aus Stahl oder Fotopolymer, in die das Motiv vertieft eingebracht ist. Das Klischee wird eingefärbt und abgerakelt. Dann senkt sich ein weicher Tampon aus Silikon auf das Klischee, nimmt die Farbe aus den Vertiefungen auf und gibt sie an das Werkstück ab.

Weil sich der Silikontampon verformt, erreicht er auch gewölbte, unebene oder vertiefte Flächen. Typische Produkte sind Kugelschreiber, Feuerzeuge, USB-Sticks, Spielzeug, Tastaturen, Gehäuse und medizinische Geräte. Die bedruckbare Fläche ist relativ klein; mehrfarbige Motive werden Farbe für Farbe nacheinander gedruckt.

Künstlerischer Tiefdruck

Kupferstich, Radierung und verwandte Techniken arbeiten nach demselben Grundprinzip: Linien werden in eine Metallplatte gestochen oder geätzt, eingefärbt, die Oberfläche wird blank gewischt und das Blatt unter hohem Druck abgezogen. Wie diese Techniken entstanden sind und wie man sie erkennt, erklärt unser Beitrag zu Kupferstich und Radierung.

Kann ich Flyer oder Broschüren im Tiefdruck bestellen?
Praktisch nicht. Für übliche Auflagen von Flyern und Broschüren ist Tiefdruck viel zu aufwendig. Hier sind Offset- oder Digitaldruck die richtige Wahl.
Woran erkenne ich ein Tiefdruck-Erzeugnis?
Ein Hinweis ist der Sägezahneffekt an Schriftkanten, der unter einer starken Lupe sichtbar wird. Sicher bestimmen lässt sich das Verfahren aber oft nur mit Erfahrung oder Rückfrage beim Hersteller.