Die Grenze zum Jahr 1500 ist eine bibliothekarische Konvention, keine technische Zäsur. Sie hat sich durchgesetzt, weil in dieser ersten Epoche des europäischen Buchdrucks – beginnend mit Gutenbergs Werkstatt in Mainz – die Grundformen des gedruckten Buches entstanden.
- Viele Inkunabeln orientieren sich optisch stark an Handschriften: Schriften, Seitenaufbau und Abkürzungen wurden übernommen.
- Ein eigenes Titelblatt fehlt bei frühen Inkunabeln meist; Angaben zu Drucker, Ort und Jahr stehen, wenn überhaupt, am Ende im sogenannten Kolophon.
- Initialen und Rubriken (rote Hervorhebungen) wurden häufig nachträglich von Hand eingefügt.
- Illustrationen entstanden meist als Holzschnitte.
Drucke aus den ersten Jahrzehnten nach 1500 werden gelegentlich als Postinkunabeln bezeichnet; die zeitliche Abgrenzung ist dabei nicht einheitlich. Inkunabeln sind heute vor allem in großen Bibliotheken erhalten und werden dort in eigenen Katalogen erfasst.