Farbe

Proof und Andruck: Farben vor dem Druck verbindlich prüfen

Softproof, Digitalproof, Kontraktproof oder Andruck? Was die Verfahren leisten, wozu der Medienkeil dient und wann sich welche Variante lohnt.

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Ein Monitor zeigt Farben mit Licht, eine Druckmaschine mit Farbe auf Papier. Dass beides nie völlig übereinstimmt, ist bekannt. Wer vor einer größeren Auflage sicher sein möchte, dass Hauttöne, Produktfarben oder ein Unternehmensblau so herauskommen wie erwartet, arbeitet mit einem Proof. Ein Proof ist eine Vorabdarstellung des späteren Druckergebnisses — je nach Verfahren am Bildschirm, auf einem speziellen Proofdrucker oder auf der Druckmaschine selbst.

Nicht jeder Proof prüft Farbe

Im Alltag wird der Begriff Proof für sehr unterschiedliche Dinge verwendet. Grundsätzlich lassen sich zwei Zwecke unterscheiden: Ein Layout- oder Standproof dient dazu, Inhalt, Seitenreihenfolge, Stand und Beschnitt zu kontrollieren. Er ist nicht farbverbindlich — das PDF-Vorschaubild zur Druckfreigabe gehört in diese Gruppe. Ein Farbproof dagegen soll die Farben des späteren Drucks möglichst genau simulieren. Um diese zweite Gruppe geht es im Folgenden.

Softproof: am kalibrierten Bildschirm

Beim Softproof simuliert ein Bildbearbeitungs- oder Layoutprogramm am Monitor, wie die Datei mit einem bestimmten Farbprofil gedruckt aussehen wird. Aussagekräftig ist das nur mit einem hochwertigen, regelmäßig kalibrierten Monitor, passender Umgebungsbeleuchtung und dem richtigen Ausgabeprofil. Ein Softproof ist schnell und kostenlos, eignet sich gut, um Farbverschiebungen nach der Umwandlung in CMYK zu erkennen, ersetzt aber keinen verbindlichen Proof. Die Wirkung von Papierweiß und Oberfläche lässt sich am Bildschirm nur annähernd darstellen.

Digitalproof und Kontraktproof

Ein Digitalproof wird meist auf einem großformatigen Tintenstrahldrucker mit speziellem Proofpapier ausgegeben. Eine Farbmanagement-Software steuert den Drucker so, dass er die Farbwiedergabe einer definierten Druckbedingung nachahmt, etwa Offsetdruck auf gestrichenem Papier. Weil der Farbraum eines Proofdruckers in der Regel größer ist als der der simulierten Druckbedingung, lässt sich diese recht genau nachbilden.

Zum Kontraktproof wird ein Digitalproof, wenn er nachweislich den Vorgaben entspricht und als verbindliche Farbreferenz zwischen Kunde und Druckerei vereinbart wird. Die Druckerei richtet sich dann beim Einrichten der Maschine nach diesem Proof. Die Anforderungen an solche Proofs sind international genormt; im Offsetdruck orientieren sich viele Betriebe dabei am Prozessstandard Offsetdruck.

Der Medienkeil

Woran erkennt man, dass ein Proof stimmt? Am Medienkeil. Das ist ein Streifen mit standardisierten Farbfeldern aus Vollton-, Raster- und Mischfarben, der mit auf den Proof gedruckt wird. Verbreitet ist der von Fogra und Ugra entwickelte Medienkeil. Die Felder werden mit einem Messgerät ausgemessen und mit Sollwerten verglichen. Liegen die Abweichungen innerhalb festgelegter Toleranzen, gilt der Proof als farbverbindlich. Das Ergebnis wird in der Regel auf einem Etikett oder Protokoll auf dem Proof dokumentiert, zusammen mit Angaben wie simulierter Druckbedingung, Datum und verwendetem System.

Andruck: auf der echten Maschine

Beim Andruck wird der Auftrag vorab unter realen Bedingungen gedruckt: mit echten Druckplatten, der tatsächlichen Druckfarbe und auf dem Auflagenpapier. Nur so lassen sich Effekte zuverlässig beurteilen, die ein Digitalproof nicht zeigen kann — etwa Sonderfarben, Metallicfarben, Lackierungen, besondere Naturpapiere oder farbige Papiere. Der Nachteil: Ein Andruck ist aufwendig, weil Platten belichtet und die Maschine eingerichtet werden muss. Er ist deshalb heute eher selten und lohnt sich vor allem bei hohen Auflagen, kritischen Markenfarben oder Kunst- und Fotobüchern.

Eine Alternative ist die Druckabnahme: Der Kunde ist beim Start des Auflagendrucks in der Druckerei anwesend und gibt den ersten Bogen frei. Im Digitaldruck, wo keine Platten nötig sind, ist ein Musterdruck auf dem Auflagenpapier vergleichsweise einfach und wird von vielen Druckereien angeboten.

Wann welcher Proof?

VerfahrenVerbindlich?AufwandSinnvoll für
Softproofneingeringeigene Kontrolle nach der CMYK-Umwandlung
Layout-/PDF-Vorschaunein (nur Inhalt)geringStand, Reihenfolge, Beschnitt
Digitalproof mit Medienkeilja, als KontraktproofmittelBilder und Farben bei Broschüren, Katalogen, Verpackungen
Musterdruck (Digitaldruck)je nach Vereinbarunggering bis mittelKleinauflagen, Bücher, Abschlussarbeiten
Andruckjahochhohe Auflagen, Sonderfarben, Veredelungen, besondere Papiere

Für einfache Flyer oder Visitenkarten ohne heikle Farben ist ein Proof meist verzichtbar. Sobald Farben verbindlich sein müssen — etwa bei Firmenfarben, Produktfotos oder großen Auflagen —, lohnt sich zumindest ein Digitalproof. Klären Sie vorab mit der Druckerei, auf welche Druckbedingung der Proof ausgegeben werden soll, und legen Sie die Daten im passenden Farbprofil an.

Kann ich einen Proof selbst erstellen lassen und der Druckerei schicken?
Ja, sofern der Proof mit Medienkeil und Protokoll erstellt wurde und dieselbe Druckbedingung simuliert, mit der die Druckerei arbeitet. Stimmen Sie das vorher ab, damit die Druckerei den Proof als Referenz akzeptiert.
Zeigt ein Digitalproof auch Pantone- oder HKS-Farben richtig?
Viele Proofsysteme können Sonderfarben annähernd simulieren, allerdings nicht alle Töne gleich gut. Bei kritischen Sonderfarben, Metallicfarben oder Veredelungen ist ein Andruck oder ein Vergleich mit dem Farbfächer zuverlässiger.