Farbe

Farbprofile: CMYK vs. RGB

Warum Bilder vom Bildschirm im Druck plötzlich anders aussehen — und wie man Farben so vorbereitet, dass sie verlässlich gedruckt werden.

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Wer Druckdaten zum ersten Mal selbst aufbereitet, lernt schnell: Was am Bildschirm leuchtet, kommt im Druck oft matter und manchmal komplett anders heraus. Der Grund liegt fast immer im Farbraum.

RGB ist additiv, CMYK ist subtraktiv

Bildschirme arbeiten additiv: rotes, grünes und blaues Licht wird gemischt. Je mehr Licht, desto heller. Im Druck ist es umgekehrt: vier Druckfarben (Cyan, Magenta, Yellow, Schwarz / Key) absorbieren Licht, das vom Papier reflektiert wird. Mehr Farbe heißt dunkler.

Das hat eine entscheidende Folge: Der RGB-Farbraum ist deutlich größer als der CMYK-Farbraum. Knallige Türkistöne, Neongrün, intensives Orange — viele leuchtende Bildschirmfarben lassen sich im Druck schlicht nicht abbilden.

Vor dem Druck konvertieren

Wer ein RGB-Bild als JPG oder PNG zur Druckerei schickt, überlässt die Konvertierung der Druckerei — und wundert sich dann, dass das Ergebnis nicht der Bildschirmvorschau entspricht. Besser: Bilder vor dem Druck selbst nach CMYK konvertieren (in Photoshop, Affinity Photo, GIMP) und mit dem korrekten ICC-Profil arbeiten — z. B. PSO Coated v3 für gestrichene Papiere, PSO Uncoated v3 für ungestrichene.

ICC-Profile

Ein ICC-Profil beschreibt den Farbraum eines bestimmten Geräts oder Druckverfahrens. Druckereien teilen mit, welches Profil sie verwenden — meistens FOGRA51 (PSO Coated v3) für gestrichene Papiere oder FOGRA52 (PSO Uncoated v3) für ungestrichene. Wer mit dem passenden Profil exportiert, bekommt verlässliche Farben.

Sonderfarben (Pantone, HKS)

Wenn eine bestimmte Markenfarbe exakt getroffen werden muss (Coca-Cola-Rot, Tiffany-Blau, Allianz-Blau), reicht CMYK oft nicht aus. Lösung: Pantone- oder HKS-Sonderfarbe. Diese werden im Offsetdruck als zusätzliche Druckfarbe aufgetragen — separater Druckdurchgang, höhere Kosten, aber 100 % Farbtreue.

Schwarz richtig anlegen

Reines Schwarz aus 100 % K (Schwarz) wirkt im Druck oft grau, vor allem in großen Flächen. Druckereien empfehlen Tiefschwarz: 100 % K plus 30–40 % der anderen Farben (Cyan, Magenta, Yellow). Achtung: Gesamtfarbauftrag (TAC) sollte 300 % nicht überschreiten — sonst trocknet die Farbe schlecht.

Sollte ich Bilder selbst konvertieren oder die Druckerei machen lassen?
Selbst konvertieren — und zwar mit Soft-Proofing in Photoshop oder Affinity. Nur so hat man visuelle Kontrolle über das Ergebnis und kann gegebenenfalls Sättigung oder Kontrast anpassen, bevor die Datei zur Druckerei geht.
Was ist PDF/X-4?
Ein PDF-Standard für den Druck mit eingebetteten Schriften, Bildern und ICC-Profilen, plus erhaltenen Transparenzen. Aktueller Standard: PDF/X-4 (oder neueste Variante) bei der Druckerei nachfragen, falls unsicher.
Was tun, wenn ein RGB-Knallfarbton in CMYK nicht darstellbar ist?
Erstens akzeptieren, dass der Druck weniger leuchtend wirkt — Bildschirm ist Bildschirm. Zweitens: Sonderfarbe einsetzen (Pantone Neon-Pink für intensives Pink, Pantone-Goldgelb für glänzendes Gold). Bei Bildern mit Farbverläufen Sättigung leicht reduzieren, sonst entstehen sichtbare Sprünge im Verlauf.