Verfahren

Siebdruck erklärt: Prinzip, Schablone, Farben und Anwendungen

Siebdruck bedruckt fast jedes Material — von T-Shirts über Plakate bis zu Glas und Leiterplatten. So funktioniert das Verfahren und wann es sich lohnt.

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Siebdruck ist das wichtigste Durchdruckverfahren: Die Farbe wird durch ein feines Gewebe gedrückt, das nur an den druckenden Stellen offen ist. Das Prinzip ist einfach, die Einsatzmöglichkeiten sind enorm. Kaum ein anderes Verfahren bedruckt so viele unterschiedliche Materialien und trägt dabei so viel Farbe auf.

Das Prinzip

Die Druckform ist ein Rahmen aus Aluminium oder Holz, über den ein feinmaschiges Gewebe gespannt ist — heute meist aus Polyester, früher aus Seide (daher der englische Begriff „silk screen“). An den Stellen, die nicht drucken sollen, sind die Maschen verschlossen. Das Sieb liegt auf dem Bedruckstoff oder knapp darüber, Farbe wird aufgetragen, und eine Rakel aus Gummi oder Kunststoff zieht sie über das Sieb. Dabei wird die Farbe durch die offenen Maschen auf das Material gepresst.

Für jede Farbe wird ein eigenes Sieb benötigt. Mehrfarbige Motive entstehen, indem die Farben nacheinander und passgenau übereinander gedruckt werden. Im künstlerischen Bereich spricht man auch von Serigrafie; bekannt wurde das Verfahren in der Kunst unter anderem durch die Pop-Art der 1960er-Jahre.

Wie die Schablone entsteht

Heute wird die Schablone fast immer fotografisch hergestellt:

  1. Das Gewebe wird mit einer lichtempfindlichen Emulsion (Kopierschicht) beschichtet und getrocknet.
  2. Das Motiv wird als lichtundurchlässige Vorlage auf Film ausgegeben und auf das Sieb gelegt. Alternativ wird es mit Computer-to-Screen-Anlagen direkt auf die Schicht gebracht.
  3. Bei der Belichtung, meist mit UV-Licht, härtet die Emulsion überall dort aus, wo Licht auftrifft.
  4. Die abgedeckten, nicht ausgehärteten Stellen werden mit Wasser ausgewaschen — dort ist das Sieb nun offen und druckt.

Wie fein ein Sieb ist, gibt die Maschenzahl an, üblicherweise in Fäden pro Zentimeter. Grobe Gewebe lassen viel Farbe durch und eignen sich für kräftige Flächen, etwa auf Textil. Feine Gewebe erlauben feinere Details und dünnere Farbschichten, zum Beispiel für Papier oder technische Anwendungen.

Farben: viel Auswahl, dicker Auftrag

Weil die Farbe durch ein Gewebe gedrückt wird, können auch dickflüssige und pigmentreiche Farben verarbeitet werden. Das ist die große Stärke des Verfahrens. Üblich sind unter anderem:

  • Plastisol- und wasserbasierte Farben für Textilien
  • UV-härtende Farben, die unter UV-Licht in Sekunden aushärten, etwa für Kunststoffe und Papier
  • Lösemittelfarben für Kunststoffe und Schilder im Außenbereich
  • Einbrennfarben für Glas und Keramik, die nach dem Druck im Ofen fixiert werden
  • Effektfarben wie Metallic, Glitter, nachleuchtende Farben oder Puff-Farben, die beim Erhitzen aufquellen
  • Funktionelle Pasten, zum Beispiel elektrisch leitfähige Pasten in der Elektronik

Volltonfarben werden in der Regel für den Auftrag angemischt, zum Beispiel nach Pantone- oder HKS-Vorgabe. Auch deckendes Weiß auf dunklem Untergrund ist problemlos möglich — für viele andere Verfahren eine Schwierigkeit.

Wo Siebdruck eingesetzt wird

BereichBeispiele
TextilT-Shirts, Hoodies, Stoffbeutel, Arbeitskleidung, Vereinsbekleidung
Plakate und KunstdruckeKonzertposter, limitierte Kunstdrucke, Plakate mit Leuchtfarben
Schilder und WerbetechnikSchilder aus Kunststoff oder Metall, Aufkleber, Bedienfelder
Glas und KeramikTrinkgläser, Flaschen, Fliesen, Glasscheiben
Elektronik und TechnikLötstopplack und Bestückungsdruck auf Leiterplatten, leitfähige Pasten, Kontakte auf Solarzellen

Für Textilien ist Siebdruck das Standardverfahren bei mittleren und großen Stückzahlen. Wie es sich im Vergleich zu DTG, DTF, Flex oder Stick schlägt, lesen Sie in unserem Beitrag zu den Textildruck-Verfahren. Neben dem Flachbettsiebdruck gibt es den Rotationssiebdruck mit zylindrischen Sieben, der zum Beispiel für Stoffbahnen und Etiketten genutzt wird.

Vor- und Nachteile

VorteileNachteile
Druckt auf fast jedem Material, auch auf gewölbten FlächenPro Farbe ein eigenes Sieb — Einrichtungskosten steigen mit der Farbanzahl
Dicker, deckender Farbauftrag mit kräftiger LeuchtkraftFeine Raster und fotorealistische Verläufe nur eingeschränkt möglich
Sehr haltbar: licht-, wasch- und witterungsbeständig je nach FarbeFür Einzelstücke und Kleinstmengen unwirtschaftlich
Sonder- und Effektfarben, deckendes WeißTrocknung bzw. Aushärtung verlängert die Produktion

Druckdaten für den Siebdruck

Ideal sind Vektordaten, in denen jede Druckfarbe als eigene Volltonfarbe angelegt ist. Sehr feine Linien und kleine Schriften können im Sieb zulaufen oder ausbrechen — welche Mindeststärken gelten, hängt von Gewebe, Farbe und Material ab und ist bei der Druckerei zu erfragen. Farbverläufe und Fotos müssen gerastert werden und wirken im Siebdruck gröber als im Offset- oder Digitaldruck.

Ab welcher Stückzahl lohnt sich Siebdruck?
Das hängt stark von der Farbanzahl und der Druckerei ab. Weil jede Farbe ein eigenes Sieb braucht, rechnet sich ein einfarbiges Motiv früher als ein vierfarbiges. Für Einzelstücke sind digitale Verfahren meist günstiger.
Kann man Fotos im Siebdruck drucken?
Grundsätzlich ja, über ein Raster oder den Vierfarbdruck. Die Detailtreue ist aber geringer als im Offset- oder Digitaldruck. Für fotorealistische Motive auf Textil ist oft der Digitaldruck die bessere Wahl.