T-Shirt-Druck
T-Shirts bedrucken lassen — Digitaldruck, Siebdruck oder Transfer, ab 1 Stück bis zur Großauflage.
Mehr →Von Schablonen in Japan und Europa über die ersten Seidensiebe im frühen 20. Jahrhundert bis zu Werbeschildern, Pop-Art, T-Shirts und Leiterplatten: wie der Siebdruck zum vielseitigsten Druckverfahren wurde.
Der Siebdruck ist ein vergleichsweise junges Druckverfahren, sein Grundgedanke aber ist uralt: Farbe wird durch eine Schablone hindurch auf einen Untergrund gebracht. Aus dieser einfachen Idee wurde im 20. Jahrhundert ein Verfahren, das Plakate, Textilien, Glas, Kunststoff und sogar elektronische Bauteile bedruckt. Wie der Siebdruck technisch funktioniert, erklärt der Beitrag Siebdruck erklärt — hier geht es um seine Geschichte.
Schon in steinzeitlichen Höhlen finden sich Handumrisse, bei denen Farbpigment rund um eine aufgelegte Hand gesprüht oder geblasen wurde — im Grunde eine Schablonentechnik. Später nutzten viele Kulturen ausgeschnittene Vorlagen, um Muster auf Wände, Stoffe oder Papier zu übertragen.
Das Problem jeder Schablone sind freistehende Innenformen, etwa das Innere eines „O“: Ohne Verbindung zum Rest der Schablone fallen sie heraus. Man half sich mit schmalen Stegen, die im fertigen Bild als Unterbrechungen sichtbar bleiben — typisch für Schablonenschriften, wie man sie von Kisten und Containern kennt.
Besonders verfeinert wurde die Schablonentechnik in Japan. Beim Katazome wird eine Reservierpaste auf Reisbasis durch eine Schablone auf Stoff aufgetragen; beim anschließenden Färben bleiben die bedeckten Stellen hell. Die Schablonen, Katagami genannt, wurden aus mehreren Lagen Maulbeerbaumpapier gefertigt, die mit dem Saft unreifer Kakifrüchte wasserfest gemacht wurden, und mit großer Präzision geschnitten.
Um feine, freistehende Formen zu halten, wurden bei manchen Schablonen feine Seidenfäden oder Haare zwischen zwei Papierlagen eingeklebt. Das Netz aus Fäden hielt die Formen in Position, ließ die Paste aber hindurch. Diese Technik gilt häufig als Vorläufer des Siebdrucks, weil hier ein Netz aus Fäden die Schablone trug — ähnlich wie später das Siebgewebe. Wie direkt die Verbindung zum späteren europäischen und amerikanischen Siebdruck tatsächlich ist, lässt sich allerdings nicht eindeutig belegen.
In Europa wurden Schablonen seit dem Spätmittelalter zum Kolorieren von Spielkarten und einfachen Holzschnitten verwendet. Maler dekorierten mit Schablonen Wände und Decken, später auch Tapeten. In Frankreich erlebte um 1900 bis in die 1930er Jahre der Pochoir eine Blütezeit: ein aufwendiges Schablonen-Kolorierverfahren für Modezeitschriften, Kunstmappen und Buchillustrationen, bei dem jede Farbe mit einer eigenen Schablone und dem Pinsel aufgetragen wurde.
Der entscheidende Schritt war, die Schablone vollständig auf ein gespanntes Gewebe zu übertragen. Als Gewebe diente zunächst Seidengaze, wie sie auch zum Sieben von Mehl verwendet wurde. Das Gewebe hält alle Teile der Schablone, auch freistehende Innenformen; Stege sind nicht mehr nötig. Mit einer Gummirakel wird die Farbe durch die offenen Maschen gedrückt.
Als frühe Patentierung des Verfahrens wird oft ein englisches Patent des in Manchester ansässigen Samuel Simon aus der Zeit um 1907 genannt. Die weitere Entwicklung vollzog sich vor allem in den USA, wo der Siebdruck in den 1910er und 1920er Jahren für Werbeschilder, Displays, Wimpel und Banner eingesetzt wurde. Die Schablonen wurden zunächst von Hand geschnitten oder mit abdeckenden Stoffen aufgemalt; bald kamen lichtempfindliche Schichten hinzu, mit denen sich Motive fotografisch auf das Sieb übertragen ließen.
Der Siebdruck bot etwas, das andere Verfahren nicht konnten: dicke, deckende und lichtbeständige Farbschichten auf fast jedem Material, auch in großen Formaten und bei kleinen Auflagen. Deshalb wurde er zum Verfahren für Schilder, Plakate, Schaufensterwerbung, Verpackungen und Beschriftungen auf Glas, Metall und Kunststoff. Im Zweiten Weltkrieg nutzte man ihn in großem Umfang für Markierungen und Beschriftungen von Ausrüstung.
In den 1930er Jahren begannen Künstler in den USA, den Siebdruck als eigenständiges Druckverfahren für Originalgrafik zu nutzen. Um ihn von der kommerziellen Anwendung abzugrenzen, kam um 1940 die Bezeichnung Serigrafie auf. Seinen größten künstlerischen Auftritt hatte der Siebdruck in der Pop-Art der 1960er Jahre: Andy Warhol übertrug Pressefotos und Werbebilder per Fotoschablone auf Leinwand und Papier und machte die serielle Wiederholung selbst zum Thema. Auch andere Künstler wie Robert Rauschenberg arbeiteten mit dem Verfahren.
Weil sich der Siebdruck mit einfachen Mitteln betreiben lässt, wurde er auch zum Medium politischer und subkultureller Plakate, etwa in den Protestbewegungen um 1968, und später für Konzertplakate der Musikszene. Handgedruckte Siebdruckplakate in kleinen Auflagen sind bis heute gefragt.
Auf Stoffbahnen setzte sich der Siebdruck im 20. Jahrhundert in der Textilindustrie durch, zunächst mit flachen Sieben, später auch mit zylindrischen Rotationssieben, die einen kontinuierlichen Druck erlauben. Mit der Popularität bedruckter T-Shirts ab den 1960er Jahren wurde der Textilsiebdruck auf fertigen Kleidungsstücken zu einem eigenen Gewerbe. Karussellmaschinen mit mehreren kreisförmig angeordneten Druckstationen, an denen dasselbe Shirt nacheinander mit verschiedenen Sieben bedruckt wird, machten mehrfarbige Motive effizient.
Mit der Elektronik kam ein ganz neues Einsatzfeld. Auf Leiterplatten wurden und werden per Siebdruck Lötstopplack und Bestückungsaufdrucke aufgebracht, in der Dickschichttechnik leitfähige und isolierende Pasten, bei Solarzellen die metallischen Kontakte. Hier zeigt sich die Stärke des Verfahrens besonders deutlich: Es trägt exakt dosierte, vergleichsweise dicke Schichten funktioneller Materialien auf.
Seide wurde längst durch Gewebe aus Polyester oder Edelstahl ersetzt, Schablonen werden fotografisch oder direkt aus digitalen Daten belichtet. Im Textildruck konkurrieren für kleine Stückzahlen digitale Verfahren wie DTG und DTF mit dem Siebdruck; bei höheren Auflagen, Spezialfarben und besonders haltbaren Drucken bleibt er häufig die erste Wahl. Welches Verfahren wann passt, beschreibt der Beitrag zu den Textildruck-Verfahren.
| Zeit | Entwicklung |
|---|---|
| Vorgeschichte | Schablonenartige Handumrisse in Höhlen |
| Japan, vormodern | Katazome mit Katagami-Schablonen, teils mit Fadennetz |
| Spätmittelalter bis 19. Jh. | Schablonenkolorierung von Spielkarten und Bildern, Wanddekoration |
| um 1907 | Frühes englisches Patent auf ein Seidensiebverfahren |
| 1910er–1930er | Werbeschilder und Displays in den USA, fotografische Schablonen |
| 1960er | Pop-Art, Textilsiebdruck auf T-Shirts |
| ab 2. Hälfte 20. Jh. | Elektronik: Leiterplatten, Dickschicht, Solarzellen |